Ausgestreamt

Illegale Musiktauschbörsen, Produktpiraterie und immer wieder Verstöße gegen das Urheberrecht. Wenn man solche Meldungen hört klingt es beinahe so, als sei das Internet nichts anderes als ein Tummelplatz für Kriminelle. Die Verlockung, sich auf die Schnelle einen Song runterzuladen ist groß, da es sehr einfach und vermeintlich anonym ist. Dass es aber kein Einzelfall, sondern mittlerweile eher die Regel ist, wird deutlich, wenn in groß angelegten Razzien Computer und Server beschlagnahmt werden.

Am Mittwoch traf es das Film-Portal kino.to, das etwa vier Millionen Nutzern pro Tag anzog und in den letzten Jahren immer wieder unter den Top 50 der am häufigsten gesuchten Websites bei Google Deutschland lag. Rund 20 Wohnungen und Geschäftsräume der Betreiber wurden durchsucht und insgesamt 13 Beschuldigte in Gewahrsam genommen. Ihnen wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung gegründet und gewerblich Urheberrechtsverletzungen begangen zu haben. Eine Münchener Rechtsanwaltskanzlei hatte gemeinsam mit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt.

Streaming-Seiten haben seit der Verbreitung von DSL und der daraus resultierenden hohen Internetgeschwindigkeit ein neues, selten legales, Marktsegment im Internet bedient. Beim Surfen im Internet bequem von der Couch aus, vermeintlich anonym im Schutz des PCs, aktuelle Filme zu schauen ist für viele Nutzer eine, wenn auch illegale, Alternative zum Gang ins Kino. Die wenigsten PC-Anwender wissen jedoch, dass neben der Verletzung des Urheberrechts, welche zusammen mit dem oft fehlenden Datenschutz im Internet eines der größten Probleme der globalen Vernetzung darstellt, das Streamen von Daten auch andere Gefahren mit sich bringt. Oftmals sind die Filme auf dubiosen Servern und Websites hinterlegt, für die man sich entweder registrieren muss oder zusätzliche Software benötigt. Oftmals wird Malware als vermeintlicher codec getarnt und der Besucher der Seite aufgefordert, diesen für störungsfreien Filmgenuss runterzuladen.

Doch in den Datenpaketen, die den Film auf den heimischen PC streamen, können versteckte Viren oder Trojaner enthalten sein, die den Computer infizieren oder unbemerkt ausspionieren. Angezogen von einem scheinbar unendlichen Angebot an Kinofilmen, Serien oder Dokumentationen, blenden viele Nutzer diese Gefahren aus. Als sich die Nachricht über die Razzia bei Deutschlands größter illegalen Streaming-Seite via Twitter und Facebook wie ein Lauffeuer verbreitete, war der Aufschrei und die Empörung groß. In Sozialen Netzwerken wurde über die Profitgier der Filmemacher und überteuerte DVDs und Kinopreise diskutiert ohne darüber nachzudenken, in welchem Maß gezielt Urheberrecht verletzt wurde.

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist unklar, ob auch die Nutzer der Seite mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Auch wenn Sie nicht an der Verbreitung der Filme beteiligt sind, so haben sie sich dennoch wissentlich Zugang zu illegalem Material verschafft. Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft geht von einem Schaden für die Filmwirtschaft im siebenstelligen Bereich aus. Angesicht der täglichen Zahl an Benutzern scheint diese Zahl noch recht gering kalkuliert zu sein.

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