Bundestrojaner statt Bundesadler

PCPrima.de CCC logoDer Chaos Computer Club (CCC) hat sich in seinen mehr als 25 Jahren des Bestehens von einer losen Vereinigung von Computerfreaks zu einem eingetragenen Verein gewandelt, der in Deutschland als Lobbyistenverband der Computerhacker angesehen wird. Der ursprüngliche Ruf, nur Cyberkriminelle um sich zu scharen hat sich deutlich geändert. Heute gilt der CCC als wichtiger Ansprechpartner wenn es um Sicherheitsfragen in der IT-Welt geht. Ganz aktuell hat der Verein einen Fall von Spyware aufgedeckt, der in der Bundesrepublik für Empörung sorgt. Offensichtlich hat die Bundesregierung einen Trojaner entwickeln lassen, um mit Hilfe dieser Überwachungssoftware gezielt Rechner von verdächtigen Mitbürgern ausspionieren zu können. Mit diesem „Bundestrojaner“ sei es beispielsweise möglich, infizierte Rechner fernzusteuern und mit zusätzlicher Malware zu bespielen. Der Fall lässt Erinnerungen an einen Überwachungsstaat aufkeimen und hier und da fällt bereits der Ausdruck „Lauschangriff“.

Die Bundesregierung dementiert bislang den Einsatz bösartiger Software zur Überwachung von Computern. Doch dass man mit dem vom CCC aufgespürten Programm den PC prima ausschnüffeln kann, gilt als sicher. Die Software sei sogar in der Lage, Eingaben im Browserfenster oder in Chatprogrammen wie Skype, aber auch in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter aufzuzeichnen und zu protokollieren. So lässt sich die gesamte Korrespondenz einzelner Personen dokumentieren. Der Trojaner sei jedoch nicht nur in der Lage zu überwachen, sondern zusätzlich könne er weitere Schadsoftware auf den PC schleusen. Das Durchsuchen, Lesen, Schreiben aber auch Manipulieren von Daten sei mit Hilfe dieses Programms möglich. Auch von einem Key-Logger ist die Rede, der automatisch jede Tastatureingabe protokolliert.

In Bayern wurde in nachweislich mindestens fünf Fällen ein solcher Trojaner für die Überwachung von Computern eingesetzt. Dabei wurden über das Internet Festplatten ausspioniert und Screenshots angefertigt, die mit Hilfe der großen Internetgeschwindigkeit der infizierten Rechners nahezu unbemerkt übermittelt werden konnten. Die Leistung des Computers wurde bei diesen Aktionen kaum beeinträchtig. Oftmals leidet die Schnelligkeit des PC unter solchen Programmen, so dass eine Einbuße der Computerleistung als Indiz für eine möglich Infektion gesehen werden kann.

Eine weitere Gefahr des „Bundestrojaners“ ist die, dass er eklatante Sicherheitslücken aufweist. So können infizierte Rechner auch von Dritten ausgenutzt werden. Angreifer von außen können somit Computer kapern, die von dem Trojaner infiltriert wurden. Das geringe Sicherheitsniveau der Schadsoftware birgt ein großes Risiko, das im schlimmsten Fall zu einem Angriff auf die behördliche Infrastruktur führen kann.

Die Bundesregierung hat sich mit diesem Projekt auf illegalem Terrain bewegt. Vor allem in Zeiten, wo die Piratenpartei für Netzunabhängigkeit wirbt und zuletzt in Berlin einen großen Zulauf erfahren hat, steckt die aktuelle Regierung in Erklärungsnot. Sollte der Lauschangriff höhere Wellen schlagen, so ist damit zu rechnen, dass von Seiten der Hacker zu einem Gegenschlag ausgeholt wird. Und welche Macht Hacker über das Netz haben, wurde bereits des öfteren unter Beweis gestellt.

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