Alles im Blick

Kaffee20 Jahre ist es bereits her, als an der renommierten Cambridge-Universität die erste Webcam ans Netz ging. Doch statt spektakulärer Aufnahmen des Campuslebens dokumentierte die Kamera lediglich den Füllstand einer alten Fiterkaffeemaschine in der Kaffeeküche des Computerlabors. Die Trojan Room Coffee Cam schickte dreimal pro Minute ein verschwommenes Bild der Maschine in das damals noch junge Internet. Auf diese Weise hatten die Wissenschaftler die Möglichkeit genau zu erkennen ob noch Kaffee vorhanden ist bevor sie sich auf den Weg zur Kaffeeküche machten – die immerhin drei Stockwerke weiter unten lag.

Seitdem hat sich nicht nur bei der Schnelligkeit des Computers einiges getan sondern auch bei der Verbreitung von Webcams. Der kleine technische Helfer ist längst zum Kommunikationsmittel geworden. Die Leistung des PCs ist heute ausreichend um Videokonferenzen zu führen oder die Kamera mitsamt Rechner als Bildtelefon zu nutzen. Flüssige Bewegungen haben stockende Einzelbilder längst abgelöst. Die hohe Internetgeschwindigkeit macht es möglich, Bild und Ton in Echtzeit zu übermitteln. Spezielle Software zur perfekten Übertragung wird als kostenloser Download im Internet angeboten und vor allem Notebooks haben oftmals bereits eine Kamera integriert. Auf diese Weise lässt sich der PC prima als Telefonersatz verwenden und Menschen aus aller Welt haben die Möglichkeit sich nicht nur zu sprechen sondern auch zu sehen. Da die Welt immer mobiler wird und Kontakte häufig über das Internet gepflegt werden, schafft es die Webcam Personen am eigenen (Familien-)Leben teilhaben zu lassen.

Durch die Webcam kann man jederzeit an jedem Ort der Welt „live“ mit dabei sein und müsste seine vier Wände eigentlich gar nicht mehr verlassen. Das Bergpanorama der Schweiz kann ebenso genossen werden wie das Strandfeeling in der Südsee oder das dichte Gedränge am Times Square in New York City. Mit der Erfindung der Webcam, eigentlich ja nur ein praktischer Helfer für emsige Forscher, wurde die Kommunikation im Internet von Grund auf revolutioniert. Chaträume, eine der Urformen der sozialen Netzwerke, haben mit der Zeit den Webcam-Chats Platz gemacht. Das zwischenmenschliche ist über Mimik und Gestik besser zu vermitteln als über Emoticons und sonstiger virtueller Notlösungen. Hin und wieder werden beim Bloggen Websites gehyped, die entweder mit Kameras sinnlose Liveschaltung an die ungewöhnlichsten Plätze der Welt anbieten oder es entstehen kuriose Formen von Kommunikationswillkür, in dem einem zum Beispiel ein x-beliebiger Chatpartner zugewiesen wird. Bei einem solchen Chat-Roulette weiss man nie was einem auf der anderen Seite des Bildschirms erwartet. Solche Innovationen verbreiten sich über Twitter und Facebook rasend schnell, verschwinden aber häufig ebenso fix wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Die Kaffeemaschine der Cambridge-Universität hingegen wurde zwar ausgemustert, steht aber heute als stummer Zeitzeuge des Beginns einer neuen Web-Ära im Gebäude des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel in Hamburg.

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